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Projekt

Jährlich haben sechs bis acht Residents aus dem In- und Ausland die Möglichkeit, drei Monate mit Textilunternehmen in der Ostschweiz zusammenzuarbeiten, ein Atelier vor Ort zu nutzen und sich in verschiedenen Kontexten zu vernetzen. Während der mehrtägigen öffentlichen Veranstaltung «TaDA Spinnerei» mit internationalen Referent*innen können sie ihr Projekt einerseits einer interessierten Öffentlichkeit vorstellen und andererseits mit Fachleuten diskutieren.

Engagement

TaDA bietet den Residents

  • Unterkunft
  • Reisekosten
  • Beitrag an die Lebenshaltungskosten
  • Arbeitsplatz in Arbon
  • Werkmaterialien
  • Individuelle und technische Unterstützung durch ausgewählte Fachleute der Partnerfirmen
  • Betreuung vor Ort

TaDA erwartet von den Residents

  • Entwicklung eines neuen Projektes, nach Möglichkeit Kooperation mit einer ansässigen Textilfirma
  • Öffentliche Präsentation der Arbeit, Durchführen von Workshops
Residents 2021
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Ganit Goldstein ist eine in London ansässige Mode- und Textildesignerin. Sie absolviert derzeit einen Master-Studiengang am Royal College of Art in London und hat bereits ein Studium an der Jerusalemer Bezal’el-Akademie für Kunst und Design abgeschlossen.
Ihre Arbeit konzentriert sich auf den innovativen Gebrauch von 3D-Druckverfahren und –Scans. Sie stellt damit neuartige dreidimensionale Textilien und Objekte wie Schuhe, Schmuck und Kleidungsstücke her. Ganit Goldsteins Arbeiten lassen ihren interdisziplinären Zugang erkennen: traditionelle und innovative Techniken werden miteinander kombiniert, und mit Hilfe programmierbarer Materialien entsteht Neues. Ihre Objekte wurden weltweit in zahlreichen Ausstellungen und Museen gezeigt, so etwa auf der Milan Design Week, beim New York Textile Month, auf der Münchner Schmuckwoche oder an der Tel Aviv Biennale of Crafts & Design. 2019 erhielt sie das Re-FREAM Horizon 2020-Stipendium zur Erforschung des Herstellungsprozesses von 3D-Textilien.

www.ganitgoldstein.com

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Der in Zürich und Riga ansässige Tobias Kaspar arbeitet im Bereich zeitgenössische Kunst mit einem starkem Interesse an Mode und Textilien und an Fragestellungen zum Verhältnis von Kunst und Künstler*innen in der Gesellschaft . Er hat zahlreiche Einzelausstellungen realisiert, beispielsweise in der Kunsthalle Bern, der Kunsthalle Sao Paulo, den Cinecittà Studios Rom, dem Kim? Contemporary Art Center Riga in Litauen, dem Midway Contemporary Art Center Minneapolis, der Peter Kilchmann Galerie in Zürich sowie der Galerie Urs Meile in Peking. Mit „Rented Life“ hat Tobias Kaspar sein Leben für 2020/21 an zwanzig Kunden vermietet. Unter diesem Titel soll im Sommer 2021 im Genfer MAMCO auch eine Ausstellung stattfinden. In Zusammenarbeit mit der Kunsthalle Bern erschien 2020 im Verlag der Buchhandlung Franz und Walther König die Monografie „Independence“ über seine Arbeit.

www.tobiaskaspar.com

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Die südkoreanische Künstlerin Aesun Kim ist eine kreative Praktikerin, die sich mit der Interaktion zwischen Mensch und Computer befasst. Gegenstand ihrer Arbeit ist das als Kleidungsstück tragbare Interface, das auf biometrischen Daten basiert und in dem eine neue digitale Ästhetik zum Ausdruck kommt. Ihre interaktive Kunst und ihre tragbaren Designarbeiten entwickelte sie an der Hochschule für künstlerische und industrielle Gestaltung Linz und an der University of the Arts London. Mit ihrer Forschung und ihren Workshops erkundet sie gegenwärtig E-Textiles und tragbare Interfaces.

www.aesunkim.com

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Die taiwanesisch-amerikanische Künstlerin Sonia Li lebt und arbeitet in Brooklyn. Sie wuchs in mehreren Ländern auf, was zu einer empathische Herangehensweise und zu universellen Ausdrucksformen von Menschlichkeit in ihrer Kunst führte. In ihren Installationen, Performances und sozialen Räumen, die oft die Natur zum Thema haben, verbindet sie taiwanesischen Wurzeln, buddhistische Lehren und Lebenserfahrung. Sie verwandelt Metaphern der persönlichen Veränderung in multisensorische Erfahrungen. Durch die Verbindung von Physischem und Technologie hebt sie die unsichtbare Trennung zwischen Kunstwerk, Konzept und Betrachter*in auf. Sie war an internationalen Ausstellungen beteiligt, unter anderem im Centro Cultural FIESP (Brasilien), dem Naves Matadero (Spanien) und auf der CADAF NYC (USA). Ihre Videos sind Teil der exklusiven Online-Sammlung Elementum.art. 2018 erhielt sie ein Stipendium des Taiwanesischen Kulturministeriums und der Chen Yung Memorial Foundation.

www.sonialidesigns.com

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Maidje Meergans ist eine Dokumentarfotografin aus Berlin. Sie studierte Textil- und Flächendesign sowie Visuelle Kommunikation an der Weissensee Kunsthochschule Berlin. 2018 schloss sie ihre Weiterbildung an der Ostkreuzschule für Photographie ab, wo sie sich schon früh auf sozialdokumentarische Themen mit besonderem Augenmerk auf Nachhaltigkeit, einzigartigen Geschichten und Menschen verlegt hatte, eine auch subjektive Geschichtsschreibung. Meergans ist Teil der von Künstler*innen betriebenen Galerie AFF in Berlin, einer Plattform für zeitgenössische Fotografie, die regelmäßig aufstrebende Künstler*innen präsentiert. Hier organisiert und kuratiert sie Ausstellungen.

www.maidje.com

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Benjamin Mengistu Navet hat Modedesign an der Hochschule für Visuelle Kunst La Cambre (Brüssel) studiert und sein Studium mit einem Master in Textildesign an der Königlichen Akademie für Schöne Künste (KASK) in Gent abgeschlossen. Er lebt und arbeitet in Brüssel. Sein Hauptanliegen ist, einen Dialog zwischen Industrie und Handwerk aufzubauen, um den Herstellungsprozess von Objekten zu untersuchen und zu hinterfragen. Basierend auf der Erforschung postkolonialer Praktiken auf dem Gebiet der Mode und der Textilien untersucht Benjamin derzeit seinen eigenen äthiopischen Hintergrund. Er entwickelt Muster und entwirft Kleidung; dabei kombiniert er traditionelle und industrielle Techniken miteinander.

www.instagram.com/benjaminmengistunavet

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Chun Shao ist Multimediakünstlerin und befasst sich mit Multimedia-Installationen, elektronischen Textilien, spekulativem Design sowie datengesteuerter Kunst. Sie studierte Bildende Kunst an der Chinesischen Hochschule der Künste in Hangzhou und erwarb an der School of the Art Institute of Chicago den Master in Darstellender Kunst. 2019 promovierte sie am Center for Digital Arts and Experimental Media der University of Washington in Philosophie. In ihrer jüngsten Forschung beschäftigt sie sich mit interaktiven Textilien und untersucht die poetische Beziehung zwischen Tastempfindungen und Gefühlen.

www.chun-shao.com

Aufgrund der Situation um Covid-19 musste Chun Shao die Residency auf 2021 verschieben.

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Andrea Winkler hat Visuelle Kommunikation in Hamburg und Fine Art Media in London studiert. Sie interessiert sich für raumgreifende Szenarien und Wiederaufführungen von Versatzstücken aus der Alltagswelt; ihre Werke bewegen sich zwischen Installation, Skulptur und Objet trouvé. In diesen Dingcollagen und szenischen Komplexen spiegelt sich ihr Interesse an Bühnenhaftigkeit und Theatralität, Warenfetischismus, Sicherheits- und Verwertbarkeitsdenken. Ihre Arbeiten wurden in zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland gezeigt und vielfach ausgezeichnet. So erhielt sie 2019 den Innogy VISIT Award und den Förderbeitrag der UBS Kulturstiftung für ihre Recherchen zur Post-Digitalität und neuem Materialismus.

www.andreawinkler.org

Aufgrund der Situation um Covid-19 musste Andrea Winkler die Residency auf 2021 verschieben.

Residents 2020
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Stephanie Baechler ist Künstlerin und Textildesignerin. Sie studierte an der HSLU Luzern Textildesign und erwarb den Master in Mode an der ArtEZ (Hogeschool voor de Kunsten) in Holland. Stéphanie Baechler arbeitete als Textile Developer/Design Assistentin für Hussein Chalayan in London und war drei Jahre Leiterin des Druckdesigns für das Schweizer Textilunternehmen Jakob Schlaepfer. Seither hat sich ihre Arbeit in Richtung Skulptur und Installation entwickelt und auf das Zusammenspiel von Keramik und Textilien fokussiert. Die haptische Dimension und die Interaktion zwischen Körper, Bewegung und Raum stehen im Mittelpunkt ihrer Forschung.

www.stephaniebaechler.com

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Alexandra Hopf hat an der Düsseldorfer Kunstakademie studiert. Sie hinterfragt in ihren Arbeiten die Konstruktion von Kunstgeschichte, indem sie die historische Avantgarde neu interpretiert. Insbesondere interessiert sie die russische Avantgarde als Ausdruck des neuen Menschen und die Übersetzung der geometrischen und blockhaften Silhouetten der suprematistischen Malerei ins Skulpturale. Alexandra Hopf verwebt Faktisches und Fiktives mit den Mitteln der Malerei, Fotografie, Skulptur und des Films. Sie hat verschiedene Stipendien und Residenzen erhalten, und ihre Arbeiten wurden europaweit in Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt. Alexandra Hopf stellt dabei die gleichen relevanten Fragen wie die Avantgarde damals, allerdings im Kontext der jetzigen globalen Krise.

www.alexandrahopf.com

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Quang Vinh Nguyen ist Produktdesigner. Das Bachelorstudium der Hochschule für Kunst und Design in Lausanne (ECAL) schloss er mit Auszeichnung ab. Für seine Produktedesigns verwendet er nachhaltige Materialien und Prozesse; er interessiert sich für konkrete Lösungen auf noch ungewisse zeitgenössische Herausforderungen. Als Schweizer Designer mit vietnamesischen Wurzeln ist er sowohl mit abendländischen als auch mit asiatischen Denkweisen vertraut. So ist Quang Vinh Nguyen Mitbegründer eines multidisziplinären Projekts, das kulinarische und volkstümliche Traditionen Vietnams in verschiedenen Medien (z.B. Performances, Objekte oder Print) untersucht.

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Selina Reiterer ist Künstlerin und Textilentwerferin. Nach ihrem Design-Studium in Berlin und Paris arbeitete sie in verschiedenen Kooperationen und forschte an der ETH Zürich im Rahmen eines Projekts an der Verknüpfung von Technologie- und Designperspektiven. Mit textilen und klangorientierten Rauminstallationen untersucht sie seither die Beziehungen zwischen Objekt und Resonanz. Oliver Maklott ist Medienkünstler. Nach der Lehre im Bereich Nachrichtenelektronik studierte er elektronische Musik und Tontechnik in Wien. Er ist Mitbegründer verschiedener Organisationen, die für Künstlerinnen und Künstler im Musik und Medienbereich reale und virtuelle Räumen zum Experimentieren und Präsentieren erschaffen. Selina Reiterer und Oliver Maklott spannen mit ihrem Interesse für Handwerk, Form und Technologie zusammen; sie glauben beide, dass mehrfach sensorische Wahrnehmungen in der technologischen Entwicklung unsere Visionen bereichern können. Ihre jeweilige künstlerische Praxis fliesst in Kompositionen aus verschiedenen Medien zusammen, insbesondere zu solchen mit haptischer Oberfläche und mit Ton.

www.selinareiterer.com

Archiv
Stéphanie Baechler
Bericht aus der Residency September bis November 2020.
20.09.2021
Stéphanie Baechler Bericht aus der Residency September bis November 2020.

Während der TaDA Residency schrieb ich einen Dialog zwischen drei Göttinnen der griechischen Mythologie, um ihn auf einen Stoff zu sticken. Daneben habe ich mit Studierenden der Gerrit Rietveld Academy (NL) eine neue Schrift und ein Mustertuch entwickelt. Parallel zu diesen Projekten im Bereich Stickerei nutzte ich die Möglichkeiten in der Kunstgiesserei St.Gallen, um Bronze- und Aluminium-Gussverfahren kennenzulernen.

Arbeit an "The Fates are Talking", Stéphanie Baechler. ©Fotografie: Ladina Bischof

Tradition und Technologie und das Schicksal: The Fates are Talking

Das Thema: «Verschwinden traditioneller Techniken» liegt mir nahe, da meine berufliche Laufbahn beim Textilunternehmen Jakob Schlaepfer in der Ostschweiz begann und ich sehen konnte, wie viele Betriebe bereits verschwunden waren.

Die Tradition der Textilproduktion prägte mich während meiner Zeit in St. Gallen stark. 2018 habe ich beim Lohnsticker Daniel Rüdlinger in Balgach erste Versuche gemacht, meine Stickerei Punche früherer Designs erneut sticken lassen. Die geografischen Umstände meiner damaligen als auch derzeitigen Niederlassung liessen es nicht zu, das Projekt weiterverfolgen. Ich wohne seit 2017 in Amsterdam.

Während der Residency habe ich den Kontakt mit Daniel Rüdlinger wiederaufgenommen, und mit weiteren Stickern Interviews geführt. Ebensobrachte mir der Besuch der zwölf Partnerfirmen der TaDA-Residency neue Erkenntnisse, die ich niederschrieb. Dieses Textmaterial habe ich in einen aktuellen Dialog zwischen den Moiren, den drei Schicksalsgöttinnen, überführt: Klotho, die in der griechischen Mythologie den Lebensfaden spinnt, spricht darin Sätze wie: «The machines are so loud, are they not going too fast? We are going to lose precision.» Oder: «But we have to make the carpet for the Saudi Prince and continue weaving history.» Der Dialog liest sich als kritische Auseinandersetzung mit der heutigen, globalen Textilindustrie, wo oft in Unmengen oder auch im Luxussegment für Auftraggeber mit sehr extravaganten Ansprüchen produziert wird. Für mich stehen immer menschlichen Schicksale im Fokus, «the tenderness of the workers» steht deshalb auch am Anfang des Texts. Ich thematisiere, dassauch Textilproduktion nicht etwas Abstraktes, sondern letztlich immer Arbeit ist, die Menschen ausführen. Deshalb spreche ich mich für mehr Umsicht und Menschlichkeit aus.

Ich interessiere mich für das Zusammenspiel von Handwerk und Technologie, für die komplexe Beziehung zwischen handgefertigten und maschinell hergestellten Produkten. In der Stickerei fasziniert mich, dass teilweise oft das Handgemachte präziser ist, als die Arbeit der Maschine. Und doch finde ich es spannend, was Maschinen bieten können, mir andere und neue Dimensionen ermöglichen. Meine Arbeit ist prozessorientiert, Vielesentsteht im Schaffen und in den Möglichkeiten, die sich unterwegs ergeben.

Für das Projekt The Fates Are Talking wollte ich mich durch die Arbeit mit Stickerei und Text mit der Textilgeschichte der Ostschweiz auseinandersetzen, wie sie sich verändert hat, was die Mechanisierung bewirkt hat für die Produktion aber auch für die Lohnsticker oder der Puncher, was Geschwindigkeit und die Arbeit an Maschinen bedeutet. Ich entschied mich, eine textile Installation von grösserer Dimension zu schaffen, welche ein Fragment dieser Geschichte und dieser Fragen aufnehmen würde.

Für die Stickerei habe ich mit der Saurer AG (Arbon) zusammengearbeitet. Es erlaubte mir, die Beziehung zwischen Materialität und dem geschriebenen Wort zu untersuchen. Mich interessierte Text in Textil umzuwandeln, dabei die Schrift und die Sprache sowie die Information ins Textile zu bringen. Durch das Punchen konnte ich mit dem Massverhältnis der Linie und der Übertragung arbeiten. Mittels Stickerei wollte ich das im Digitalen verdeckte Sinnliche wieder zum Leben erwecken. Mein Grundinteresse gilt dem Punchen und damit verbunden der Erforschung der sinnlichen Erfahrung, die ein elementares Potenzial birgt. Was mich motiviert, ist, das Immaterielle zu verbreiten, indem ich es wieder greifbar mache.

Arbeit an "The Fates are Talking", Stéphanie Baechler. ©Fotografie: Ladina Bischof

Die wichtigsten Schritte für die Produktion waren das Erlernen des Punchens und die Bedienung der Maschinen mit Hilfe der Firmenmitarbeitenden. Mein Interesse für die Produktionsprozesse hängt auch mit meiner Beziehung zu Arbeitenden in anderen Fabriken und Werkstätten zusammen. Insbesondere gehe ich oft fast vergessenen Kenntnissen und Fähigkeiten nach. Ich interessiere mich für vergessenes Wissen und Fähigkeiten, (Kenntnisse) die verloren gehen. Ich will dem Handwerk der Vergangenheit neues Leben einhauchen, es zukunftsfähig machen, es nutzen, um Erinnerungen zu zelebrieren und neue Möglichkeiten zu entwickeln. Zum Beispiel in der Stickerei wie kann es sein, dass sie trotz grossen technischen Fortschritten heute weniger detailliert ausgeführt werden. Kann.

Als Zeitreisende erinnere ich an die Handwerke und Empfindungen der Vergangenheit und mache sie sichtbar, spürbar, erfahr für das Leben in einer endlosen, entmaterialisierten Zukunft. Verschwindende ’skills’ und Wissen in die Gegenwart zu bringen wirkt nicht nur Wunder für sinnliche Erfahrungswerte, sondern bietet auch eine Art alter- natieve (physisch=3D) Orientierung zu einer unendlich ‘flachen’ (=digitalen=2D) Zukunft.

Im Entstehungsprozess war das Sammeln von möglichst unterschiedlichen Garnen zentral, da die Fadenspannung einen grossen Einfluss auf die visuelle Wirkung und den Fluss des Textes hat, das heisst der Prozess erforderte unzählige Testläufe und in diesem Sinne auch experimentell. Während des Prozesses arbeitete ich auch mit der Lobra AG, um die Größe des Stickerei-Layouts zu testen und die Schrift in ihrer Originalgröße zu sehen.

Arbeit im Sitterwerk. ©Fotografie: Ladina Bischof

Arbeit mit Bronze und Aluminium

In der Kunstgiesserei St.Gallen habe ich gelernt, mit Bronze und Aluminium zu arbeiten. Das hat mir neue Ansätze und Möglichkeiten für meine weitere Arbeit eröffnet. Die Skulpturenserie, die ich als nächstes herstellen möchte, basiert auf einer Technik, die ich beim Wachsausschmelzverfahren in der Giesserei entdeckt habe. Um Aluminiumrahmen zu gießen, musste ich massive, starre Sandformen herstellen, die nach dem Giessprozess zerstört werden. Die Arbeit mit diesen Formen hat mich deren Potenzial als Skulptur erkennen lassen. Im Sommer 2021 werde ich die Gelegenheit haben, im European Ceramic Center (sundaymorning.ekwc.nl) an diesem Thema weiterzuarbeiten.

Solche Erfahrungen haben nun dazu geführt, weitere Prozesse mit Abfall als Ausgangspunkt anzugehen und für Innovationen zu nützen. Kreislaufwirtschaft ist einer Methodik, die ich auch in meiner Arbeit weitmöglichst anstrebe,

Zwar entsteht im Prozess das Produkt für den aktuellen Arbeitsschritt, doch gleichzeitig entstehen die Ideen für das nächste Projekt. Das ist ein allgemeines Prinzip der Zeit. In der Gegenwart endet die Vergangenheit – und beginnt die Zukunft. Sie ist eine Schnittstelle. Sandformen, die ich erstellte, um Aluminium zu giessen werden zu amorphen Blocks. Normalerweise zerstöre ich diese Nebenprodukte nach dem Aluminiumguss. Doch nun habe ich diese Gegenformen als Ausgangspunkt für meine nächste Recherche genutzt. Diesen Sommer habe ich im European Ceramic Workcenter (sundaymorning.ekwc.nl) aus Ton solche Blöcke / Kisten hergestellt und in die Ritzen Glasur gegossen. Mich reizt es diesen Prozess umzuwandeln und damit in Anlehnung an die Kreislaufwirtschaft den Abfall zum Ausgangspunkt von Innovation zu machen.

Emroidery Alphabet. ©Fotografie: Stéphanie Baechler

Embroidery alphabet

Während der TaDA Residency unterrichtete ich die Studierenden des Grundkurses an der Gerrit Rietveld Academy in Design (online). In diesem Kurs führte ich sie in die Techniken der Stickerei ein, mit dem Ziel, gemeinsam ein Schriftbild und ein Mustertuch zu entwickeln. Alle wurde aufgefordert, je einen Buchstaben zu entwerfen, um ein zeitgenössisches Stickalphabet zu schaffen. Es wurde auf einem 5,20 Meter langen Baumwollstoff mit einer Stickmaschine bei Saurer AG umgesetzt.

St.Galler Tröckneturm - funkelnder Tröckneturm

Die Inspiration für die Idee einer Installation mit dem St.Galler Tröckneturm lieferten historische Aufnahmen von Tröcknetürmen in Glarus. In meiner Recherche zeigte sich, dass praktisch kein Bildmaterial aus dem Inneren des St.Galler Turms vorhanden ist. Für mich drängte es sich auf, den Turm wiederzubeleben und ein sichtbares Textil-Zeichen im öffentlichen Raum zu schaffen. Mitgespielt hat auch meine persönliche mehrjährige Erfahrung als Textildesignerin bei Jakob Schlaepfer AG, wo ich täglich den Turm auf meinem Arbeitsweg betrachten konnte. Diese Installation war im Dezember 2020 leider nicht möglich, denn Schwalben bewohnen den Tröckneturm (Mail Konversation mit der Stadt St.Gallen).

Ich habe meine Idee aber noch nicht aufgegeben und wurde im Dezember von Knill Paul Architekt BSA kontaktiert, der das Schwarze Haus in Herisau als Ort für die Installation vorschlägt. Ich bleibe auch in Kontakt mit TDS Textildruckerei in Arbon und Lobra AG in Thal, die meine Installations-Idee unterstützen und verwirklichen wollen. Das temporäre Werk wäre eine Bereicherung im erst kürzlich eröffneten Burgweier-Park: Es erzählt von Vergangenheit und Gegenwart der Textilbranche und bringt in St.Gallen temporäre Kunst in den öffentlichen Raum.